Mindset und Glück

Glück - eines der Themen, die mich in meiner Arbeit anhaltend begleiten. Umso mehr hat es mich gefreut, als das Katholische Filmwerk eine Arbeitshilfe zu dem wirklich gut gemachten Kurzfim GOOD LUCK angefragt haben.

Wenn auch du dich mit dem GLÜCK im großen und kleinen beschäftigst, inspiriert dich vielleicht der folgende Artikel zum Thema:



Die Frage nach dem, was „Glück“ bedeutet, begleitet uns Menschen seit jeher. Das Wort stammt aus dem mittelnieder- und mittelhochdeutschen Sprachgebrauch. Es bedeutete so viel wie „wie etwas gut ausgeht“. Die ersten Definitionen verstehen Glück als einen innerlich empfundenen Zustand, der durch ein äußeres Ereignis, einer schicksalhaften Fügung, entsteht. Abgegrenzt davon wurde „Glückseligkeit“, als einen Zustand der religiösen Erlösung oder hoher Zufriedenheit. Auch in anderen Sprachen ist unterschieden zwischen „Glück haben“, z.B. „to be lucky“ und „glücklich sein“ – „to be happy“.[i] Glück zu haben ist unvorhersehbar, wie ein in GOOD LUCK beschriebener Lottogewinn. Unvorhersehbar einen Nachteil zu vermeiden gehört ebenso dazu, wie ein bestimmtes Talent, das einem „in die Wiege gelegt“ wurde.


In der Philosophie wurden von der Antike bis heute verschiedene Glücksdefinitionen und Wege zum Glück diskutiert. Der Unterschied zu früheren Diskussionen zu den heutigen liegt im Wesentlichen darin, dass früher versucht wurde objektive Maßstäbe für Glück zu finden, während heute die Individualisierung im Vordergrund steht. Die folgende Übersicht zeigt unterschiedliche philosophische Ideen, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben[ii].



Vertreter Ideologie

Platon Glück ist Teilhabe und Mitbestimmung

Augustinus Glück ist Gott haben und Dasein für Menschen

Aristoteles Glück ist Tugend und Tüchtigkeit

Thomas von Aquin Glück ist die Gebote Gottes zu halten

Pico della Mirandola Glück ist der Mensch selbst

Martin Luther Glück ist die Gnade Gottes

Rene Descartes Glück ist Zufriedenheit

Immanuel Kant Glück ist Pflicht

Epikur Glück ist Unerschütterlichkeit und körperliche Gesundheit

Thomas Hobbes Glück heißt den Begierden folgen

John Locke Glück ist ein Höchstmaß an Vergnügen

David Hume Glück ist was allen nützt


Glück empfinden zu können, wird in der Wissenschaft in vielen Fachbereichen erforscht und beschrieben. Die Evolutionsbiologie beschreibt kein Verhalten, in dem Lebewesen bewusst nach Glück streben. Doch die Vernetzung von angenehmen Gefühlen und Verhaltensweisen scheinen für das Überleben von Lebewesen durchaus eine Rolle zu spielen. „Sie sind als Gewinner geboren“, titulieren die Autoren des Werkes „Die Reenergize Formel“ auf Basis evolutionsbiologischen Wissens.[iii]

Der Mensch versucht Erfahrungen, die positiv empfunden werden zu wiederholen und unangenehme zu vermeiden. Das limbische System im Gehirn spielt dabei eine Schlüsselrolle. Hier werden Reize mit abgespeicherten Erfahrungen verglichen, bewertet und weitergeleitet. Scheint der Reiz besonders angenehm, unangenehm, neu und relevant zu sein, wird dieser eine Kette von Neurotransmitter und Hormone in Gang bringen.

Mit dem Glücksempfinden werden insbesondere die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Endorphine haben einen hohen Einfluss auf positive Empfindungen, hervorgerufen durch positiv besetzte Reize und Erfahrungen. Eine besondere Rolle nimmt das Oxytocin ein, das sogenannte Kuschelhormon, das bei sozialer Nähe und Bindungserleben in unser System gelangt. Auch das Erinnern an positive Erfahrungen und das Entstehen lassen von phantasievollen positiven inneren Bildern, kann zur Ausschüttung der Neurotransmitter und Botenstoffe führen, die uns Glück empfinden lassen.[iv]

Psychologische Forschungen bestätigen, dass besonders die soziale Komponente für gefühltes Glück eine Rolle spielt. Zudem machen sozial positive Erfahrungen widerstandsfähiger und lassen uns negative Erfahrungen besser verarbeiten. Diese Widerstandskraft wird Resilienz genannt. Die Bindungsforschung war maßgeblich für weitere Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem empfundenen „Lebensglück“. Erfahren Kinder in ihren ersten Jahren eine sichere Bindung, eine liebevolle Erfahrung geprägt durch konstantes Verhalten der Bezugspersonen, so können diese an ihre Kinder diese Erfahrung weitergeben, sind resilienter und leben häufiger in Kontexten, die zu positiven Erfahrungen führen.

Bowlby und Ainsworth bildeten aus ihren Untersuchungen unterschiedliche Bindungstypen heraus.[v] Emmy Werner untersuchte in einer Langzeitstudie ein hawaiianisches Dorf, in der sie die Kinder bis ins Erwachsenenalter beobachtete. Dabei wurden die Erkenntnisse der Bindungstheoretiker bestärkt und Faktoren für empfundenes „Lebensglück“ herausgestellt. Führender Faktor ist die soziale Komponente. Feste Bezugspersonen, Vorbilder, Freundschaften, Liebesbeziehungen…[vi] Körperliche Zuwendung führt zur Normalisierung der Herzfrequenz, der Atmung und zu muskulären Entspannung.

Aus soziologischer und physiologischer Sicht liegt der Schlüssel zum individuellen Glück laut Klein, einem Physiker, in der Selbstwirksamkeit. Sein Leben selbst in der Hand zu haben, selbst wirksam auf sein Umfeld Einfluss nehmen zu können. So sind in Ländern, in beruflichen Stellungen und Familien mit höherer Selbstbestimmung sowohl die Lebenszufriedenheit erhöht, als auch die Lebenserwartung. Mitwirkungsrechte sind gesellschaftspolitische Glücksvoraussetzungen.[vii]



Individuelles Glück lässt sich durch eingeschränkte soziale Rahmenbedingungen, unsicherer Bindung in der Kindheit, Traumata, Erkrankungen und weitere negative Erfahrungen durch das Nachholen positiver Erfahrungen begünstigen. Dazu gehört der Glaube, der Menschen in Nöten Hoffnung gibt, sowie positive Bilder und Empfindungen, welche Sicherheit erleben lassen. Spirituelle Praxis, wie das Beten oder Meditation verhelfen zu Momenten der Glückseligkeit, die neue neuronale Verknüpfungen erlauben und somit für weitere positive Erfahrungen Tor und Türe sind.

Auch Psychotherapie, Hypnotherapie, Heilpädagogik und weitere Ansätze, die positive, individuelle Entwicklung unterstützen, können helfen korrigierende Beziehungserfahrungen zu machen.

„Die systematische Schulung des Geistes – die Entfaltung von Glück, die echte innere Wandlung, durch die absichtliche Auswahl von positiven Geisteszuständen und die Ausrichtung darauf einerseits sowie das Herausfordern der negativen mentalen Zustände andererseits – ist aufgrund der Struktur und der Funktion des Gehirns möglich.“ Ein Zitat des Dalai Lama[viii], der unter anderem für die buddhistische aber auch westliche Welt als Glücks-Ratgeber fungiert.

Philosophenschulen der Antike entwickelten Glücksübungen, um unangenehme und antisoziale Empfindungen, wie Habgier, Eifersucht loszulassen. Ähnliche Praxen finden sich in den unterschiedlichen Glaubensrichtungen und der Yogaphilosophie.

Wie stark der Einfluss des Glaubens auf die Widerstandskraft ist, bewies eine Studie, die im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen am Gaza-Streifen von sich Reden machte. Drei verschiedene Populationen in Israel wurden auf Trauma-assoziierte Symptome untersucht. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die geringsten und weniger häufigen Symptome bei Menschen mit höherer Religiosität, trotz dem höchsten Gewalterleben zu finden war. Die, die wenig Gewalt erlebten, eine niedrige Religiosität aufwiesen, zeigten die stärksten Angstsymptome.[ix] Auch unter extremen Bedingungen, so das Fazit, kann ein Glaubenssystem die Resilienz erhöhen. Bonelli, ein aktueller Wiener Psychiater wies in einem YouTube Video daraufhin, dass hier die intrinsische Religiosität, die aus einem selbst heraus entsteht als wirksam anzusehen ist. Während extrinsische, motiviert durch Anerkennung, Zugehörigkeit und ähnliche Faktoren, keinen nennenswerten Effekt auf die Resilienz und das persönliche Glücksempfinden nehmen.[x]

Durch neuere Forschungen der Neurowissenschaften wurde ebenso das Zusammenspiel von Geist, Körper, Seele bestärkt. Bewegung und Sport können einen massiven Einfluss auf Wohlbefinden und Glücksempfinden nehmen. Positive Reize für unsere Sinne zu schaffen, riechen, hören, schmecken in der Natur machen Achtsamkeitsübungen wieder en vogue und finden neue Therapien für das moderne Leben, wie Waldbaden.[xi]

Zudem fördern, je nach persönlicher Neigung, Aktivitäten, die uns positive Erfahrungen schaffen, persönliches Glücksempfinden: gärtnern, malen, tanzen, kochen…

Findet eine Person eine Aktivität, die ganz ihrer Neigung entspricht, so kann sich diese Zeit Vergessens intensiv damit beschäftigen. Csikszentmihalyi nennt das „Flowerleben“. Die Aktivität darf weder unterfordern noch überfordern. Jedes Nachlassen der Konzentration hindert den Flow. In einer Aktivität des Selbstvergessens, im Flow, geht die Person auf und kann Kraftreserven auffüllen. Mihály Csikszentmihalyi führte eine umfangreiche Befragung durch, wann Leute am glücklichsten sind und ihre beste Leistung erbringen. Er startet bei Top-Performern, wie Chirurgen, Künstlern und Sportlern. Mit der Zeit weitete er die Studie auf Menschen mit „Mainstream“ Lebenswandel aus allen Gesellschaftsschichten und Altersklassen rund um den Globus aus. Er fand heraus, dass die glücklichsten Menschen ihrem Leben einem höheren Sinn gewidmet haben, für das sie ihre Energie einsetzen und sich engagieren.[xii]



Das sogenannte Entwickeln der Lebenskunst führt nicht zu einem andauernden Empfinden von Glückseligkeit, erhöht aber die Häufigkeit und Nachschwingungen.

In vielen Glücksratgebern finden sich Empfehlungen zu Ritualen, die täglich daran erinnern Aktivitäten auszuführen, die mit dem Empfinden von Glück zusammenhängen. Eine Dankbarkeitsübung ist eine der wirkungsvollen Methoden, die sich morgens oder abends mit der Familie durchführen lassen oder zum Beispiel in einem Notizbüchlein festhalten lassen.

Neuropsychologisch ist eine Abwechslung der Aktivitäten anzuraten. Die Aufmerksamkeit und Ausschüttung von Transmittern erhöht sich, wenn hin und wieder andere Sinne angesprochen werden, sowie neue Aktivitäten ausgeführt werden. Freudige Überraschung führt, wie Horngacher es nennt, zu Dopaminduschen.[xiii]

Geld ist in unserer gesellschaftlichen Kultur relevant für Wohlbefinden. Geld kann Sicherheiten gewähren und positive Erfahrungen finanzieren. Ein immer wieder genanntes Ziel von Individuen ist in neueren Forschungen die „finanzielle Freiheit“. Es wird darauf hin gearbeitet ein System zu entwickeln, in dem mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld generiert werden kann. Die entstehende und gewonnene Zeit soll der persönlichen Selbstentfaltung dienen. Reisen, Entwickeln von Talenten, Ausführen von Aktivitäten nach individueller Neigung sollen der Lebenserfüllung dienen. War der Kapitalismus einst vom Ausspruch „Geld ist Macht“ geprägt, der mit höchster Selbstbestimmung und hoher Lebensqualität einhergeht, so ist im Postkapitalismus Zeit die neue Währung.[xiv]

Der Einkommensreichtum hat ab einer bestimmten Höhe keinen Einfluss mehr auf das Glücklichsein, da die Indikatoren für Glücksempfinden nicht mehr ansteigen. Ein Sättigungsgefühl wird erreicht. In Studien heißt es bei einem Einkommen von über 7.062 €uro im Monat sinkt die Lebenszufriedenheit wieder. Umfragen sind häufiges Mittel der Wahl, um den Grad von kollektivem Glücksempfinden zu bestimmen. Für Aufsehen sorgte eine Londoner Studie 1998, nach der gerade die Staaten auf den ersten Plätzen des Glücksempfindens landeten, bei denen keine fortgeschrittene Industrialisierung zu finden war. Deutschland landete auf 42. Stelle der weltweiten Untersuchung. Eine weiter entwickelte Studie des britischen Sozialpsychologen White, die Faktoren, wie Gesundheit, Wohlstand und Bildung miteinbezog, gestaltete 2006 eine Glücksweltkarte.[xv]

Länder, die wenig dicht besiedelt sind, Island, Norwegen, Neuseeland, Kanada, steigen auf die oberen Ränge. Jährlich werden mittlerweile nationale und internationale Studien zu Glücksempfinden, Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung erhoben.



„Alles ist gut. Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick.“

Dostojewski: Die Dämonen

Fritz-Schubart entwickelte 2007 an seiner Schule in Heidelberg das Fach Glück. „Wissenschaftliche Begleituntersuchungen bestätigen, dass [die Schüler] ein stärkeres Selbstwertgefühl entwickeln. Sie sind verständnisvoller, gehen offen auf andere Menschen zu, trauen sich mehr zu und verfolgen optimistischer ihre Ziele.“, so der ehemalige Rektor, der nun Lehrende weiterbildet.

Mittlerweile gibt es viele Nachahmende: 40 Schulen in Deutschland und 140 in Österreich haben das Schulfach Glück in ihre Curricula übernommen.[xvi]

„Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht einer inneren Einstellung“, sagte Erich Fromm. In diesem Sinne haben Langer und Fröhlich in Wien das Ministerium of Happiness gegründet. Sie unterstützen Schulen, Betriebe und Einzelpersonen darin ihren persönlichen Weg zum Glück zu finden.

Ähnliche Angebote finden sich in vielfältigen Ausführungen. Je nach persönlicher Vorliebe kann ein Glücksseminar im Kloster besucht werden[xvii], ein Yoga Retreat[xviii] oder beispielsweise Coachings für das ganze Team[xix].



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Quellennachweise: [i] https://www.wissen.de/wortherkunft/glueck [ii] Wirthgen, Monika [online] https://www.gluecksarchiv.de/inhalt/philosophie_denkrichtungen.htm [iii] Janßen, Simone; Hobacher, Niklas (2019): Die Reenergize Formel. Der evolutionäre Baukasten für Energie und Glück. Topicus Verlag [iv] Hüther, Gerald (2011): Was wir sind und was wir sein könnten. Fischer Verlag [v] Grossmann, Karin; Grossmann, Klaus (Hrsg.) (2020): Bindung und menschliche Entwicklung: John Bowlby, Mary Ainsworth und die Grundlagen der Bindungstheorie. Klett-Cotta Verlag [vi] Zander, Margherita (2011): Handbuch Resilienzförderung. VS Verlag für Sozialwissenschaften [vii] Klein, Stefan (2002): Die Glücksformel. Oder wie die guten Gefühle entstehen. Fischer Verlag [viii] Dalai Lama, Howard C. Cutler: Die Schulung des Geistes für das Glück. Zit. n. Andrea Löhndorf (Hrsg.): Glück. Ein Lesebuch zur Lebenskunst. dtv Taschenbuch [ix] Matar; Kaplan; Kamin; Sadan; Cohen (2005): Stress-related responses after 3 years of exposure to terror in Israel: are ideological-religious factors associated with resilience? J Clin Psychiatrie. 66 (9): 1146-54 [x] https://www.youtube.com/watch?v=lm5yNjKqws0 [xi] Ehlers, Rolf (2012): Wohlfühlhormon Serotonin – Botenstoff des Glücks: der körpereigene Aufbau durch native Kost. Via Nova Verlag [xii] Csikszentmihalyi, Mihaly (2019): Flow und Kreativität: Wie Sie Ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen. Klett-Cotta Verlag [xiii] Horngacher, Hannes (2018): Neuroleading: Praktische Tipps zum gehirngerechten Führen von Teams. Gehirn-Wissen-Kompakt [xiv] https://www.finanzgrundlagen.de/finanzielle-freiheit/finanzielle-freiheit-erreichen [xv] Aknin, Lara B.; Norton, Michael I.; Dunn, Elizabeth W. (2009): From wealth to well-being? Money matters, but less than people think. In: The Journal of Positive Psychology. Band 4, Nr. 6 [xvi] https://www.deutschland.de/de/topic/wissen/glueck-als-schulfach-in-deutschland [xvii] https://ruhewerk.de/seminare/gluecksseminar-im-kloster/ [xviii] Zum Beispiel https://retreat.bohobeautiful.tv/ oder einzelne Yogakurse zum Ausprobieren: https://www.flowintoo.com [xix] https://www.innovation-bba.com/innovation-auszeit-wissen

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